Die "Weiße Stadt" - UNESCO-Kulturerbe

Die Siedlungsanlage in Berlin-Reinickendorf wurde zwischen den Jahren 1928 und 1931 entlang der Schillerpromenade (heute Aroser Allee) errichtet und ist eine typische Wohnsiedlung der 1920er-Jahre in Berlin. Aufgrund des einheitlich weißen Verputzes der Gebäude erhielt die Siedlung im Volksmund bald den Namen "Weiße Stadt”. Die "Weiße Stadt” zählt zu den bedeutenden Siedlungen der Berliner Moderne, welche seit dem Jahr 2008 auf der Liste des Kulturerbes der UNESCO stehen.

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Der Bezirk Reinickendorf erwarb nach dem Ersten Weltkrieg großflächige Gebiete, die für Siedlungs- und Grünflächennutzung gedacht waren. Bezirksamt und Wohnungsbaugesellschaften versuchten gemeinsam, der Wohnungsnot zu begegnen.

Die Planungen für die Großsiedlung "Schillerpromenade" begannen bereits vor dem Ersten Weltkrieg, aber ein abschließendes städtebauliches Konzept wurde erst für die Bauausstellung von 1931 entwickelt. Unmittelbar südlich der Dorfaue sollte eine Straße angelegt werden, die wie eine Magistrale die Siedlung erschließt. Diese Straße (Schillerpromenade), die heutige Aroser Allee, wurde zusammen mit dem sie umgebenden Straßennetz bis 1914 fertiggestellt. Erst 1928 bewilligte die Stadt Berlin ein Sonderprogramm zur Errichtung der Siedlung Schillerpromenade, die im Volksmund wegen des hellweißen Verputzes "Weiße Stadt" genannt wurde. Die Bezeichnung "Schweizer Viertel" bürgerte sich aufgrund der entsprechenden Straßennamen wie Emmentaler Straße, Gotthardstraße u. a. ebenfalls im Volksmund ein.

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Die Siedlung Schillerpromenade entstand unter Leitung von Stadtbaurat Martin Wagner, der ebenfalls für die Ausführung der Hufeisensiedlung in Britz, der Siemensstadt in Spandau und der Onkel-Tom-Siedlung in Zehlendorf verantwortlich war. Wagner, der 1933 von den Nationalsozialisten entlassen wurde und in die Türkei emigrierte, brachte 1928 die Magistratsvorlage zur Verabschiedung eines 15 Millionen Mark umfassenden Sonderprogramms ein.

Die städtebauliche Planung und der Entwurf der Siedlung lagen bei den Architekten Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg, die Stadtbaurat Martin Wagner zur Verwirklichung moderner städtebaulicher Vorstellungen auswählte. Die Straßenplanung wurde von Entwürfen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg übernommen, als das Land der zukünftigen Siedlung noch weitgehend aus Feldern bestand. Für die Planung und Gestaltung der Garten- und Grünflächen zeichnete der in Berlin geborene Gartendirektor Ludwig Lesser verantwortlich; er war der erste freischaffende Gartenarchitekt Deutschlands, der in Reinickendorf (Frohnau, Hermsdorf, Wittenau), aber auch in Dahlem, Wannsee und im Umland städtebaulich und - vor allem in Bad Saarow - gartenarchitektonische Akzente setzte.

Zwischen 1929 und 1931 entstanden an der Aroser Allee durch die Gemeinnützige Heimstättengesellschaft Primus mbH auf einer großzügig mit Grünzügen durchsetzten Fläche 1286 Wohnungen in drei- bis fünfgeschossiger Rand- und Zeilenbauweise.

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Die Siedlung mit ihrem charakteristischen weißen Erscheinungsbild entstand in Anlehnung an den Baustil der Neuen Sachlichkeit. Es gab eine ausgeklügelte Infrastruktur mit einem Heizkraftwerk, zwei Gemeinschaftswaschküchen, Kindergarten, Ärztehaus, Apotheke und 24 Ladengeschäften. Zu der Siedlung gehörte eine Volks- sowie eine Jugendverkehrsschule. Viele infrastrukturelle Erweiterungsbauten fielen der Weltwirtschaftskrise in den späten zwanziger Jahren zum Opfer; erst seit 1951 wurde die Weiße Stadt vergrößert.

Zu den markantesten Bauten gehört das über die Aroser Allee gebaute "Brückenhaus", ein von Otto Rudolf Salvisberg entworfenes fünfgeschossiges Laubenganghaus. Nicht zuletzt durch diesen markanten Bau ist die Weiße Stadt zu einem Synonym für modernes Wohnen in Reinickendorf geworden: Für Alt-Reinickendorf, das von modernisierten Bauernhäusern, Industriebetrieben, Mietskasernen und dem Geschäftszentrum Residenzstraße geprägt ist, bietet die Weiße Stadt einen neuen Akzent der städtebaulichen Architektur.
 
 
Schloß Tegel
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Das Schloß Tegel - ursprünglich 1558 als Renaissance-Herrenhaus erbaut - geht in den Besitz der Familie von Humboldt über. Im 19. Jahrhundert wurde das Schloß durch Karl Friedrich Schinkel umgestaltet.
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Alexander von Humboldt, weltberühmter Naturforscher und Mitbegründer der Geografie als empirischer Wissenschaft, wird in Berlin geboren. Die Familie residiert seit 1766 im Schloß Tegel.
Eisenbahnbau bei Borsig
1873
Eisenbahnbau bei Borsig auf einem Gemälde von Paul Friedrich Meyerheim
Uferpromenade in Tegel, 1910
1910
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Rathaus Reinickendorf, Detail
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Auf dem Gelände des Flughafens Tegel entsteht während der Luftbrücke innerhalb von 90 Tagen die damals längste Start- und Landebahn Europas - größtenteils mit Muskelkraft.
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